Lomisa

Gut ausgeruht nach einer wie erwartet ruhigen und dunklen Nacht macht sich die Hälfte unserer Reisegesellschaft auf den Weg zum Kloster Lomisa in der Region Mskheta, das uns als sensationeller und sehr besonderer Ort von einer freundlichen jungen Dame empfohlen wurde. Sie war es auch, die uns durch ihre Übersetzungskünste den Kontakt mit den ortsansässigen Priestern ermöglichte, die uns wiederum prompt eine Flasche hauseigenen Weines schenkten. Wir sind richtig beschämt, dass wir in der Hektik unserer Abreise vergessen haben, ein oder zwei Gastgeschenke auf Vorrat einzupacken.

Also los geht’s. Durch einen wunderbaren klaren Herbstmorgen machen wir uns an den Aufstieg zum Kloster. Die ersten 300 Höhenmeter legen wir auf einem wunderschönen Waldweg durch raschelndes Laub zurück und erreichen dann kurz oberhalb der Baumgrenze den ersten Aussichtspunkt, der mit einer Art kleinem Altar mit Kreuz als Gebetsort markiert ist.

Wir ziehen weiter bis hinauf zum Kloster. Hier leben drei Mönche ganzjährig, die aber auch regelmässig den Abstieg ins Tal auf sich nehmen, um die Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Ausserdem scheint es Tradition für die allgegenwärtigen Pilger zu sein, jeweils ein Stück Brennholz den Berg hinauf zu tragen.

Obwohl wir sowohl das Kloster als auch den Weg dorthin mit nur wenigen weiteren Wanderern erleben durften, scheint Lomisa eigentlich eine ziemlich wichtige Niederlassung der Orthodoxen Kirche zu sein. Auf jeden Fall drängt sich uns dieser Eindruck auf, wenn wir im Nachhinein etwas über die Geschichte und die Kirche recherchieren, bzw. Freunden von unserem Ausflug erzählen. Was uns ebenso nicht klar war: Wir befinden uns oben bei dem Kloster genau auf der umstrittenen Grenze zu Südossetien.

Der Ort selbst ist unheimlich friedlich und strahlt irgendwie eine grosse Würde aus. Das zugehörige Kirchlein ist sehr eng und karg aber mit unglaublich vielen Ikonen geschmückt, die Wanderer/ Pilger hier herauf bringen. Auch wenn wir statt der erwarteten 400 Höhenmeter schlussendlich etwas mehr als 700 hinter uns gebracht haben, war der Ausflug jeden Meter wert. Die Ausstrahlung dieses Ortes ist einfach zauberhaft.

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