Ushguli

Guten Morgen! Die Nacht war dunkel und ruhig wie schon lange nicht mehr. Frisch ausgeruht gehen wir auf 8:00 zum Frühstück, wo mir Ulrich eröffnet, dass er schon seit 6:30 wach ist und sich den Sonnenaufgang angeschaut hat – ich bin neidisch. Sonst fragt er für sowas immer nach.

Egal. Das Frühstück ist reichhaltig und lecker und wir haben heute etwas ganz Besonderes vor: Um 10:00 werden wir von einem Führer und 5 Pferden erwartet und reiten ins Tal in Richtung Gletscher. So kürzen wir die 9 km Wanderung auf 6 km Reiten und dann noch einen Spaziegang zum Shkhara-Gletscher.

Wenn man unsere Mädels so von hinten betrachtet, könnte man glatt den Eindruck erhalten, dass sie doch etwas gelernt haben in ihren dreimal Reitferien vor weiss der Geier wieviel Jahren. Auch meine zwei Reitstunden bei meiner lieben Schwester erleichtern mir die Sache erheblich – ich weiss immerhin, dass die Fersen an den Bauch gehören… Aber der arme Ulrich wird schwer durchgeschüttelt.

Gott sei Dank handelt es sich um sehr geduldige Pferde, die sich eher im Schritt fortbewegen als eine schnellere Gangart einzulegen und ausserdem wissen sie sehr genau, wo sie hin müssen. Schwierig wird die Sache nur, als sich mein rechter Steigbügel verabschiedet, weil er nicht etwa mit einer Gürtelschnalle eingestellt wird, sondern ca. 7 Knoten seine Länge bestimmen und der letzte davon sich gerade verabschiedet – jetzt ist nichts mehr mit festklammern, jetzt muss ich irgendwie dafür sorgen, dass der Steigbügel nicht von meinem Fuss rutscht.

Auf jeden Fall ist die Idee mit dem Ritt wirklich schön. Die Wanderung durch das Tal wäre eher langweilig gewesen, während wir so ein tolles Erlebnis hatten und trotzdem noch zu Fuss zum Gletschertor spazieren konnten. Ausserdem lässt im Laufe des Nachmittags das Wetter nach und wir sind ganz froh, dass wir auf dem Rückweg von unten gewärmt werden.

Zurück im Hotel machen wir eine kurze Pause – irgendwie habe ich ein Gefühl, als hätte ich übelste O-Beine und Laufen ist echt unangenehm – und dann gehen Lotte und ich ins „Kino“. Gezeigt wird der Film „DEDE“ – eine georgische Produktion in und um Ushguli. Inhaltlich sehen wir eine vorhersehbare Romeo-und-Julia-Liebesgeschichte, in der aber viele alte Traditionen der Gegend verarbeitet sind. Ausserdem sind die Landschaftsaufnahmen und auch die Porträts der Schauspieler wunderschön – also zumindest fotografisch. DEDE ist vor 2 Jahren produziert worden und man sieht doch den oder die eine oder andere Schauspieler oder Schauspielerin im Dorf beim Kühe melken, Schweine eintreiben oder Katchapuri backen.

Zum besonderen Erlebnis wird der Kinobesuch vor allem, weil das „Kino“ im Erdgeschoss eines der Wehrtürme eingerichtet ist, aus drei Reihen terassenförmig zusammengeschraubter Bretterbänke mit alten Sofakissen besteht und die Vorführung von einem Laptop mit Beamer erfolgt, während der Sound aus zwei Brüllwürfeln eher minderer Qualität quillt. Wir frieren erbärmlich in zwei dünne Kunststoffdecken gehüllt und haben richtig viel Spass! Und dann muss man sich mal vorstellen: Seit zwei Jahren wird hier ein und derselbe Film fünf mal täglich gezeigt und ernährt eine Familie – das ist Nachhaltigkeit! Und soll ich Euch was sage: Wenn ich nochmal nach Ushguli käme, würde ich wieder reingehen und diesmal alle mitnehmen!

Als wir anschliessend in Hotel kommen, ist es kalt und ungemütlich – sieht so aus, als hätten wir den letzten warmen Tag dieses Jahres genossen. Danke Ushguli!

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